Ben Willikens
Werk
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© VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – 2027; Foto: Julia Schambeck, München
Kunstwerk & Künstlerporträt
Ben Willikens, 2022Mich interessiert, was Architektur und Raum in unserem Geist und unserer Seele auslöst und wie die Form den Menschen bestimmt.
Der Künstler Ben Willikens, geboren 1939 in Leipzig, steht für eine unverwechselbare Form der Malerei, die vor allem durch klare Strukturen und reduzierte Farbgebung besticht. Nach ersten Studienjahren entschied sich Willikens 1962 für die Malerei und besuchte die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Professor Heinz Trökes. Hier in Stuttgart legte er das Fundament für eine jahrzehntelange künstlerische Entwicklung, die ihn zu einem der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Maler machte.
Willikens’ Werke sind für ihre menschenleeren, architektonisch streng konstruierten Räume bekannt. Seit den 1970er Jahren gilt seine reduzierte Bildsprache als Sinnbild für das Spiel zwischen Erinnerung und Geschichte – oftmals mit Bezug zu realen und fiktiven Orten des kollektiven Gedächtnisses. Seine Werke eröffnen somit dem Betrachter Räume der Reflektion und Erinnerung.
Im ausdrucksstarken Gemälde „Raum 75“ der Kunstsammlung im Allianz Park Stuttgart rückt Willikens gezielt die perspektivische Tiefe und die strenge Architektur ins Zentrum des Bildgeschehens. Der dargestellte Innenraum ist klar strukturiert und öffnet sich dem einfallenden Licht – jedoch ohne sichtbare Figuren, ohne narrative Ablenkung.
In der scheinbaren Leere des Bildes öffnet sich dem Betrachter ein Zugang: Linien von Fenstern, Türen und Lichtfeldern lenken den Blick an eine Schwelle zwischen Innen- und Außenwelt, zwischen dem Hier und dem Unbekannten. Zurück bleibt ein Gefühl von Raum und Zeit – eine stille Architektur, die nicht bloß dargestellt, sondern erlebbar gemacht wird.
Für die Sammlung im Allianz Park Stuttgart verkörpert das Werk eine bedeutungsvolle Verbindung: Es wird zu einem Ort, wo Gedanken Gestalt annehmen und Begegnung sowie innere Einkehr möglich werden. Räume existieren hier nicht nur als Bauwerke, sondern als Erfahrung. „Raum 75“ ist dadurch weit mehr als ein Bild an der Wand – es eröffnet dem Betrachter einen imaginären Raum der Vorstellungskraft.
Ben Willikens lebt und arbeitet überwiegend in Stuttgart und der Region Hohenlohe. Er ist fest verwurzelt im lokalen Kulturbetrieb: Das Kunstmuseum Stuttgart und andere Institutionen widmeten ihm immer wieder Ausstellungen und würdigen so die enge Verbindung zwischen Künstler und Stadt. Die Karriere von Ben Willikens ist somit eng mit der Kunststadt Stuttgart verbunden – als Ort der Ausbildung, Inspiration und Schaffensstätte.