Willi Baumeister

Werk

  1. Baumeister Willi, Amenophis, 1950, Abstrakte Zeichen‑ und Farbkomposition mit schwarzen, braunen und blauen Formen, figurenähnlichen Symbolen und offenen Flächen auf hellem Grund.
    Amenophis, , Serigraphie, 67.5 x 49.5 cm
    © Willi Baumeister; Foto: Julia Schambeck, München

Kunstwerk & Künstlerporträt

Willi Baumeister wurde 1889 in Stuttgart geboren und gehört zu den wichtigsten abstrakten Künstlern in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach einer Ausbildung zum Dekorationsmaler studierte er an der Kunstakademie Stuttgart, wo er unter anderem Schüler von Adolf Hölzel war. Auch die Künstlerin Ida Kerkovius, deren Werk sich in der Kunstsammlung im Allianz Park Stuttgart befindet, war Schülerin bei Hölzel und war befreundet mit Baumeister, der ihre Kunst sehr schätzte.

 
Weitere Begegnungen mit Künstlern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky bestärkten ihn darin, sich von der realistischen Darstellung zu lösen und sich modernen Kunstströmungen anzuschließen. In den 1920er- und frühen 1930er-Jahren arbeiteten er mit klaren, einfachen Formen und entwarf außerdem Schriftbilder und Bühnenräume. Während der NS-Zeit durfte er nicht mehr ausstellen und seinen Beruf kaum ausüben. Nach Jahren in Frankfurt kehrte Baumeister 1946 als Professor an die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zurück. Dort leitete er bis zu seinem Tod 1955 eine Kompositions‑ bzw. Malklasse, war zeitweise stellvertretender Rektor und prägte maßgeblich die Nachkriegsgeneration von Künstlerinnen und Künstlern in der Stadt.

Auch nahm er an wichtigen nationalen wie internationalen Ausstellung teil, u.a. 1948 und 1952 an der Biennale von Venedig. 1951 gewann er den ersten Preis der ersten Biennale von São Paulo. Zudem war er Gründungsmitglied der Gruppe „ZEN 49“, die sich 1949 zusammenschloss und nahm 1955 an der documenta 1 in Kassel teil. Viele seiner Ausstellungen fanden auch in Stuttgart statt, und die Stadt erinnert bis heute mit Sammlungen und Ausstellungen an ihren international bedeutenden Künstler.

Baumeister wollte nicht die sichtbare Welt nachahmen, sondern eine eigene Sprache aus Zeichen und Formen entwickeln. Er interessierte sich stark für prähistorische Kunst, alte Kulturen aus Afrika und Asien sowie für die Bildwelt des Alten Orients und Ägyptens. Diese Quellen nutzte er, um Formen zu schaffen, die an Figuren, Symbole oder Ornamente erinnern. Viele wirken wie Mischwesen aus Mensch, Tier und Zeichen. Baumeister suchte das „Unbekannte in der Kunst“ – also das, was man nicht genau benennen kann, aber dennoch spürt. Für ihn war Abstraktion kein kaltes, unverständliches Spiel, sondern eine andere Art von Lebendigkeit. Seine Bilder sollten die Fantasie anregen und Raum für eigene Gedanken lassen.

Das Werk Amenophis” von 1950 in der Kunstsammlung im Allianz Park Stuttgart zeigt seinen Ansatz besonders gut. Der Titel erinnert an die ägyptischen Pharaonen namens Amenophis oder Amenhotep. Baumeister ging es jedoch nicht um eine bestimmte historische Figur, sondern um die geheimnisvolle Ausstrahlung dieser alten Kultur. Auf einem hellen, steinartig wirkenden Hintergrund ordnet er dunkle, unregelmäßige Formen an. Sie sehen aus wie Figuren, Werkzeuge oder Zeichen, bleiben aber absichtlich unklar. Einige blaue und rote Farbflecken setzen Akzente und leiten den Blick durch das Bild. Dadurch entsteht ein rhythmisches Zusammenspiel aus ruhigen und belebten Bereichen. Baumeister verbindet in diesem Bild Vergangenheit und Gegenwart. Alte Zeichenkulturen tauchen in einer modernen, abstrakten Form wieder auf. Seine Technik – häufig Siebdruck – verstärkt den klaren, grafischen Eindruck.  Amenophis” erzählt keine feste Geschichte, sondern lädt dazu ein, eigene Vorstellungen zu entwickeln.