Ida Kerkovius

Werk

  1. Karkovius Ida, Garten in Hofheim, 1964, farbintensive, abstrahierte Gartenszene mit organischen Formen, Pflanzenmotiven und dekorativen Mustern in Grün‑, Blau‑, Rot‑ und Gelbtönen.
    Garten in Hofheim, , Serigraphie in 26 Farben, 50 x 61.5 cm
    © Familien Archiv Kerkovius; Foto: Julia Schambeck, München

Kunstwerk & Künstlerporträt

In der Farbe ist sie uns allen überlegen.

Willi Baumeister

Ida Kerkovius war eine außergewöhnliche Künstlerin. Sie wurde 1879 im heutigen Lettland geboren und kam später nach Deutschland. 1908 folgte sie ihrem Lehrer Adolf Hölzel nach Stuttgart, wo sie ihre Ausbildung an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste fortsetzte. Dort gehörte sie bald zum Kreis moderner Künstlerinnen und Künstler wie Oskar Schlemmer, Max Ackermann, Richard Adolf Fleischmann und Willi Baumeister. Ackermann und Baumeister gehörten sogar zu ihrem engeren Freundeskreis und sind ebenfalls mit Werken in der Kunstsammlung im Allianz Park Stuttgart vertreten. Auf diese Weise wird das Netzwerk der Künstlerinnen und Künstler am Standort Stuttgart durch das kuratorische Konzept auf besonders anschauliche und ansprechende Weise sichtbar.

Kerkovius interessierte sich auch sehr für Teppichknüpfen und Weben. Deshalb entschied sie sich mit 41 Jahren noch einmal zu studieren – und zwar von 1920 bis 1923 am neu gegründeten Bauhaus in Weimar. Dort belegte sie den Vorkurs bei Johannes Itten und Georg Muche, lernte bei Wassily Kandinsky und Paul Klee und erwarb ihre Webkenntnisse in der Klasse von Gunta Stölzl. Farben spielten für sie eine große Rolle. Sie wollte frei damit umgehen und sich nicht an strenge Regeln halten. Ida Kerkovius malte, webte Teppiche und arbeitete mit verschiedenen Drucktechniken. Ihre Werke sind meist farbenfroh, lebendig und zugleich ruhig.

Ab 1933 galten ihre Arbeiten bei den Nationalsozialisten als „entartet“. Sie durfte nicht mehr öffentlich ausstellen und zog sich nach Stuttgart zurück. Trotz dieser schwierigen Zeit arbeitete sie weiter, malte und fertigte Bildteppiche an. Erst nach dem Krieg wurde sie wieder stärker wahrgenommen – da war sie schon fast siebzig. Nach und nach wurde sie als wichtige Vertreterin der deutschen Klassischen Moderne anerkannt. 1954 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, und ihre Werke wurden in zahlreichen großen Ausstellungen gezeigt. 1958 ernannte man sie zur Professorin sowie zum Ehrenmitglied der Stuttgarter Akademie und des Deutschen Künstlerbundes.

Eine große Retrospektive zu ihrem 80. Geburtstag im Jahr 1959 im Württembergischen Kunstverein – eröffnet von Johannes Itten – brachte schließlich eine breite öffentliche Aufmerksamkeit. Von da an berichteten auch Zeitungen, Radio und Fernsehen über sie.

Die Serigrafie „Garten in Hofheim“, die in der Kunstsammlung im Allianz Park Stuttgart hängt, entstand 1964 und gehört zu ihrem Spätwerk. Kerkovius war damals über achtzig, doch ihre Kunst wirkte weiterhin frisch und voller Energie. Das Bild zeigt einen Garten, der eher an eine erinnerte Landschaft erinnert als an eine naturgetreue Darstellung. Die Formen sind vereinfacht, die Farben klar und kräftig. Durch die Siebdrucktechnik entstehen deutliche Farbflächen, die zusammen ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Gerade weil das Werk so spät entstand, zeigt es besonders gut, wie sicher und eigenständig ihr Stil geworden war. Trotz aller politischen und persönlichen Herausforderungen blieb sie der Farbe treu – sie war für sie eine Quelle der Kraft. „Garten in Hofheim“ zeigt, wie sie die Welt sah: nicht nur als genaue Abbildung, sondern als Erlebnis in Farbe.

Kerkovius zählt heute zu den wichtigen Künstlerinnen der Klassischen Moderne in Deutschland. Stuttgart spielte dabei eine zentrale Rolle in ihrem Leben und Schaffen. Museen wie die Staatsgalerie Stuttgart und das Kunstmuseum Stuttgart bewahren viele ihrer Werke und präsentieren sie regelmäßig in Ausstellungen. So bleibt Stuttgart bis heute der wichtigste Ort, an dem ihr künstlerisches Erbe lebendig gehalten wird.