Lothar Quinte

Werk

  1. Lothar Quinte, Schlitzbild, 1966, monochrome blaue Bildfläche mit schmalem, senkrechtem Schlitz in der Mitte, aus dem eine rote Linie sichtbar wird.
    Schlitzbild vertikal blau, III/10, , Acryl auf Leinwand, 180 x 130 cm
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – 2027; Foto: Julia Schambeck, München

Kunstwerk & Künstlerporträt

In der Malerei interessiert mich einzig und allein das optische Ereignis. Für meine Malerei bedeutet das, jedes Bild so zu konzipieren, dass es zum eindeutigen optischen Gegenstand wird – nichts daran auswechselbar und ohne Story.

Lothar Quinte (zitiert nach: Thomas Lenk, Lothar Quinte, Westfälischer Kunstverein, Münster 1968, Text nach Abb. 18)

Lothar Quinte zählt zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten der deutschen Nachkriegskunst und wird als wesentlicher Vertreter der Optical-Art sowie der modernen Abstraktion betrachtet. Seine Werke wurden in zahlreichen renommierten Einzel- und Gruppenausstellungen präsentiert. Kennzeichnend für seine künstlerische Entwicklung ist die intensive Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Licht, Farbe und Transparenz. In den 1960er-Jahren führte diese Suche zu den charakteristischen „Schlitzbildern“, zu denen auch das Werk „Schlitzbild blau“ aus dem Jahr 1966 gehört. Hier dominiert eine tiefblaue, monochrome Farbfläche, die von einer schmalen, vertikal verlaufenden roten Linie durchzogen wird. Die Reduktion auf wenige Formen und Farben schafft einen meditativen Bildraum, in dem das Verhältnis von Linie und Fläche eine besondere Spannung erzeugt.

Quintes Lebensweg und künstlerisches Schaffen sind eng mit der Region Stuttgart und Baden-Württemberg verbunden. Nach seinem Studium fand er dort Anschluss an die lokale Kunstszene, nahm an zahlreichen Ausstellungen teil und pflegte einen lebendigen Austausch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern der Region. Seine Werke gelangten in bedeutende Sammlungen vor Ort und prägten maßgeblich die Entwicklung eines modernen Kunstverständnisses in Südwestdeutschland.

Durch stetige Experimente mit Farbwirkungen, Lichtführung und minimalistischer Komposition entwickelte Quinte Bildwelten, die den Betrachtenden zu einer poetischen Erfahrung von Raum und Wahrnehmung einladen. Besonders in musealen Kontexten regen seine Arbeiten dazu an, vertraute Sehgewohnheiten zu hinterfragen. Das „Schlitzbild blau“, welches einen prominenten Platz im Mitarbeiterrestaurant einnimmt, steht dafür beispielhaft: Die klare, ungegenständliche Komposition ermöglicht es, sich auf das Wechselspiel von Farbklängen, Ruhe und innerer Spannung einzulassen. Quintes künstlerische Haltung wirkt bis heute nach und findet im aktuellen Kunstdiskurs sowohl in der Region als auch darüber hinaus fortwährende Resonanz.