Otto Herbert Hajek

Werk

  1. Hajek, Otto Herbert, für Sankt Anna - Maichingen, geometrische Farbkomposition mit großem gelbem Kreis über vertikalen blauen und roten Rechteckformen, klar strukturiert auf hellem Grund.
    Für Sankt Anna in Maichingen, , Serigraphie, 68 x 49 cm
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – 2027; Foto: Julia Schambeck, München

Kunstwerk & Künstlerporträt

Otto Herbert Hajek wurde 1927 im böhmischen Kaltenbach (heute Nové Hutě in Tschechien) geboren und kam nach Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo er 1947 sein Abitur in Erlangen ablegte. Von 1947 bis 1954 studierte er Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Otto Herbert Hajek gehörte zu den Künstlern, die mit Mut zur Farbe und klaren Formen eine ganz eigene visuelle Sprache geschaffen haben. Wer einmal ein Werk von ihm gesehen hat, erkennt diesen Stil sofort wieder: kräftige Farbfelder, rhythmische Flächen, geometrische Strukturen – und immer die Suche nach einem Dialog zwischen Kunst, Raum und Mensch. Genau dieses Zusammenspiel machte Hajek nicht nur zu einem bedeutenden Bildhauer und Maler, sondern auch zu einem der prägendsten Gestalter des öffentlichen Raums in Deutschland.

Ein schönes Beispiel für seine Form- und Farbwelt zeigt die Papierarbeit Für Sankt Anna in Maichingen“ in der Kunstsammlung im Allianz Park Stuttgart. Hajek arbeitete besonders eng mit der katholischen Kirche zusammen, vor allem in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Neben der Serigraphie entstand auch in den 1980er Jahren ein Altarbild für die St. Anna Kirche. Die Komposition in der Serigraphie wirkt auf den ersten Blick abstrakt, doch Hajek spielte bewusst mit Symbolik. Der große gelbe Kreis im oberen Bereich erinnert an eine    Sonne oder Hostie, während die vertikalen Streifen in Rot, Blau und hellen Nuancen wie ein farbiges Fenster wirken. Es hat etwas Sakrales, aber ohne traditionelle religiöse Bildformeln zu verwenden – ein modernes, freundliches Bild, das Raum öffnet und zugleich Ruhe ausstrahlt. Hajeks Werke funktionieren oft genau so: Sie geben Impulse, ohne etwas vorzuschreiben.

Ein wesentlicher Teil seiner Karriere ist eng mit Stuttgart verbunden. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart blieb er der Stadt über Jahrzehnte hinweg beruflich und künstlerisch verbunden. Als Professor leitete er sogar ab 1980 die Staatliche Akademie und beeinflusste eine ganze Generation junger Künstler. Gleichzeitig prägte er das Stadtbild: Viele seiner öffentlich aufgestellten Skulpturen und Farbräume findet man noch heute im Stuttgarter Raum. Hajek verstand Kunst als etwas, das mitten ins Leben gehört – auf Plätze, an Fassaden, in Wohnviertel. Für ihn war die Stadt ein großer Organismus, der durch Farbe und Form menschlicher, lebendiger und offener werden sollte.

Zu den wichtigsten Stationen seiner Karriere zählen internationale Ausstellungen ab den 1950er-Jahren, zahlreiche Kunst-am-Bau-Projekte sowie sein Engagement in der Künstlervereinigung „Künstlersonderbund“. Sein Werk wurde weltweit ausgestellt, und viele Städte – nicht nur in Deutschland – tragen heute Spuren seiner farbintensiven Gestaltung. 1982 bekommt Hajek das Bundesverdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Und 1998 wird ihm die Bürgermedaille der Stadt Stuttgart wegen seines besonderen Verdienstes und Wirken in Stuttgart und seinen öffentlichen Plätzen verliehen.

Hajek hinterließ ein Werk, das Mut macht, groß zu denken – farbig, klar, menschlich und offen. Seine Arbeiten erinnern daran, dass Kunst nicht elitär sein muss, sondern mitten im Alltag wirken kann.