Ralph Fleck

Werk

  1. Ralf Fleck, Giverny 3/V, 1992, abstrakte Malerei mit dichter, pastoser Farbstruktur in Grau- und Grüntönen, ohne gegenständliche Motive.
    Giverny 3/V, , Öl auf Leinwand, 160 x 120 cm
    © VG Bild-Kunst, Bonn 2026 – 2027; Foto: Julia Schambeck, München

Kunstwerk & Künstlerporträt

Ralph Fleck ist ein bedeutender deutscher Maler der Gegenwart. Er studierte von 1973 bis 1978 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (Außenstelle Freiburg). Dort wurde er Meisterschüler bei Peter Dreher – einem Lehrer, der ihn zu einer genauen und ausdauernden Beobachtung der Wirklichkeit anhielt.

Typisch für Fleck ist seine körperliche, pastose Malweise: Aus nächster Nähe wirken seine Bilder wie vibrierende Teppiche aus Farbflecken, erst mit Abstand zeigt sich, was eigentlich dargestellt ist. Das Pendeln zwischen Abstraktion und erkennbaren Motiven ist bei ihm kein Nebeneffekt, sondern der Kern der Sache – ein stetiges Spiel darum, was Malerei überhaupt sichtbar macht.

Sein Gemälde „Giverny“ folgt genau diesem Ansatz und greift gleichzeitig kunsthistorische Fäden auf. Fleck hat in den 90er Jahren mehrmals den Garten von Claude Monet im französischen Dorf Giverny besucht. Jedoch zitiert er nicht Monets berühmten Garten, sondern übersetzt den Ort in ein dichtes Geflecht aus graugrünen, erdigen und hellen Schichten. Spuren von Wegen, Pflanzen oder Wasser tauchen nur als Andeutungen auf. Die Leinwand wirkt wie ein überwucherter Ort, an dem das Auge sich treiben lassen muss – Pinselspur für Pinselspur. So entsteht eine Atmosphäre, die an das flirrende Licht der Impressionisten erinnert, ohne sich in deren Stil einzunisten. „Giverny“ ist weniger eine naturgetreue Darstellung als ein Nachdenken darüber, wie man Natur heute malen kann, wenn man sich mutig und körperlich in die Farbe hineinlehnt.

Ralph Fleck selbst sagte zu dieser Serie: „Damals interessierte mich, wie wohl ein nordischer Künstler Giverny gemalt hätte. So ist mein erstes dunkles „Giverny“-Bild entstanden. (…) Man kann auch nachvollziehen, warum Monet häufig Bilder wieder geändert hat, da sich mit jeder kleinsten Lichtveränderung auch das Gesamtbild verändert. Mal wirkt der Teich wie ein silberner Brei, die Seerosen manchmal wie kleine Törtchen auf schwimmenden Paletten.“ (ausWalter Smerling (Hg.): „Ralph Fleck. Malerische Grenzauflösungen“, Ausstellungskatalog Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, o.J. Interview „Ich brauche das Gerüst der Realität“)

In seinen Landschaftsserien – zu denen auch „Giverny“ zählt – interessiert Fleck nicht das spektakuläre Motiv, sondern der Grenzbereich: Wie viel Gegenständlichkeit braucht ein Bild, bevor es in reine Malerei übergeht? Dieser Übergang begleitet sein gesamtes Werk. Er zerlegt Themen in starke Ausschnitte, verdichtet sie radikal und lässt sie trotzdem deutlich erkennbar. Er spielt mit Maßstäben, macht kleine Motive riesig und verleiht unscheinbaren Dingen wie Gemüsekisten oder Müllbergen eine fast monumentale Wirkung. So entzieht er die Welt dem schnellen Blick und zwingt uns, genauer hinzuschauen.

Seine Karriere ist eng mit der deutschen Kunstszene verwoben. Bereits Ende der 1970er wurde er ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis „Landschaft heute“ der Sparkasse Karlsruhe (1977) und dem Kulturpreis des Bundesverbands der Deutschen Industrie (1978). Ein wichtiger Meilenstein war das Villa-Massimo-Stipendium in Rom, das ihm Mitte der 1980er-Jahre einen längeren Aufenthalt bescherte. Von 2003 bis 2015 lehrte er als Professor für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg.

Seine Gemälde werden national wie international in Ausstellungen präsentiert und hängen zudem in einer Vielzahl privater wie öffentlicher Sammlungen und markieren eine kontinuierliche Karriere von den Anfängen im Südwesten Deutschlands bis hin zu einer international beachteten Position der Gegenwartsmalerei.